Wenn das Konfetti von den Strassen verschwunden ist und die Kostüme wieder im Schrank verstaut werden, dann beginnt die Fastenzeit.
In unserer Kirche verhüllt das Fastentuch den Blick auf den Hochaltar mit dem Tabernakel. In der Liturgie bedeutet Fastenzeit auch: sich bewusst auf das Verzichten einstellen – um den Blick wieder auf das Wesentliche zu fokussieren.
Das aktuelle Fastentuch ist dabei ein «Augenöffner» und gleichzeitig ein Störfaktor.
Schon der Titel: «Das grosse Fressen» ist eine Herausforderung.
Fanny Bucheli hat sich hervorragende Gedanken gemacht zum Hungertuch der ökumenischen Fastenaktion 2026 von Fastenopfer/HEKS. Die Künstlerin des Hungertuches und deren Inspiration beschreibt es folgendermassen:
«Das neue Hungertuch „Das grosse Fressen“, welches die Ökumenischen Kampagnen 2025 und 2026 von HEKS und Fastenaktion begleitet, wurde von der deutschen Künstlerin Konstanze Trommer gestaltet. Ein Werk, das seine Betrachter*innen zum Nachdenken anregt und Fragen an die Gesellschaft stellt.
Konstanze Trommers Leben wurde von Beginn an von der Kunst geprägt. 1953 in ein künstlerisch inspiriertes Elternhaus in Erfurt, Thüringen, geboren – der Vater Kunstdozent, die Mutter Modezeichnerin, der Grossvater Freizeitmaler – vertiefte sie sich schon früh in Kunstbände und Modezeichnungen. Später studierte sie Formgestaltung in Halle und schloss 1977 mit einem Diplom in Flächengestaltung ab. Seit 1982 arbeitet sie als freischaffende Künstlerin. „Ich hätte mir auch eine Karriere als Modedesignerin vorstellen können“, bemerkt sie rückblickend, inspiriert von den Zeichnungen ihrer Mutter.
Nahrung ohne Zerstörung
Trommers Schaffen umfasst zahlreiche gesellschaftskritische Werke, geprägt durch glasklare Abbilder und eine besondere Liebe zum Detail. Immer wieder gelingt es ihr, scheinbar harmlose Elemente zu verbinden und damit tiefgründige, aufrüttelnde Botschaften zu vermitteln – wie im Fall von „Das grosse Fressen“. Hier verschmelzen Erde und Brot in einem kosmischen Szenario zu einem „Erdenbrot“, das wie ein Geschenk des Universums im All zu schweben scheint. Der Eindruck des Friedens wird jedoch durch die Präsenz von Messer und Gabel an den Seiten des Bildes getrübt: Das Besteck lädt uns zum Teilen des Brotes ein, birgt jedoch auch eine stumme Drohung, denn jeder Schnitt würde eine Wunde in der Erde hinterlassen. Wer verzehrt die Welt? Wer nährt und wer wird genährt? Ist es möglich, dieses Brot zu teilen, ohne den Planeten zu zerstören?
Künstlerische Auseinandersetzung mit der Gesellschaft
„Diese Arbeit ist inspiriert von meinem Werk „Abendmahl“ aus dem Jahr 2005, das das Stift Klosterneuburg in Österreich erworben hat“, erklärt Trommer. Grundlage für „Das grosse Fressen“ war ein NASA-Foto des Planeten Erde, das durch die Tag- und Nachtgleiche symbolisch aufgeladen ist. Den Entwurf erstellte Trommer digital, ehe sie das Werk mit Acryl auf Gewebe umsetzte. „Im kreativen Prozess reflektiere ich gesellschaftliche wie persönliche Anforderungen“, beschreibt Trommer ihr Schaffen. „Der Mensch glaubt, sich durch Maschinen und Technik die Natur untertan machen zu können, doch gleichzeitig wächst die Gier immer weiter und löst vermehrt Zerstörung und Krankheit aus.“ Die Bedrohung, symbolisiert durch das Besteck im Hungertuch, erfordere eine ganzheitliche Reaktion der Menschheit. «
In unserer Kirche wird beim Aschermittwochsgottesdienst – 18. Februar, 19.30 Uhr – und bei der musikalischen Vesper – 21. Februar, 18.30 Uhr – die Botschaft des Fastentuches eine zentrale Rolle im Gottesdienst spielen.
Armin Ruf, Gemeindeleiter
zVg















