«Testfall Münsterlingen» nennt sich die Studie zu den Medikamentenversuchen im Thurgau der Nachkriegszeit. Das Historische Museum Thurgau hat die Studienleiterin Prof. Dr. Marietta Meier am Mittwoch, 2. Juni 2021 zu einem Abendvortrag eingeladen, um herauszufinden, wer hinter der schockierenden Praxis steckte.
an wähnt sich in einem Horrorfilm: Eine idyllisch gelegene Klinik, ein väterlich wirkender Arzt, der ahnungslose Waisenkinder empfängt. Und dann? Schock! Der Mann im weissen Kittel veranstaltet Menschenversuche an den Kindern. Diese Praxis pflegte der Vertrauensarzt nicht nur an Minderjährigen, sondern auch an anderen vulnerablen Patientengruppen – und insgesamt an weit über 1000 Patienten, dies mit mindestens 67 verschiedenen Substanzen.
Machtmissbrauch der Klinikleitung
Das Drehbuch dieses Horrors stammt nicht etwa aus der Netflix-Küche, sondern aus der historischen Realität in unserer Nachbarschaft: aus Münsterlingen. Es ist die Geschichte der Menschenversuche rund um «Daddy Long Leg», wie der verantwortliche Arzt und Klinikdirektor Roland Kuhn in seiner Wirkungszeit zwischen 1939 und 1980 genannt wurde.
Weitgespanntes Netz an Akteuren
Im Auftrag des Kantons Thurgau und unter der fachlichen Leitung der Historikerin Prof. Dr. Marietta Meier wurden die Machenschaften in Münsterlingen wissenschaftlich aufgearbeitet. Am Abendvortrag zur Sonderausstellung «Thurgauer Köpfe – Tot oder lebendig» steht aber nicht nur Roland Kuhn als früher verehrter und heute breit kritisierter Kopf im Fokus, sondern auch sein Thurgauer Netzwerk.
Die Veranstaltung findet im Rathaus Frauenfeld statt und beginnt um 18 Uhr. Der Eintritt ist frei, und es gilt eine Maskenpflicht. Beschränkte Teilnehmerzahl, Anmeldung über Museumswebsite erforderlich.
Qeulle: www.tg.ch