Gedanken zur Taufe

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Taufe ist kein einmaliges Geschehen, sondern ein andauernder Prozess. Man sollte nicht sagen „Ich wurde gleich nach meiner Geburt getauft“, sondern „Ich bin seit meiner Geburt getauft“, das soll heißen „Taufe und Neuwerden“ ist für mich eine dauernd neue Herausforderung. Das gilt vor allem in schweren Stunden, wenn wir fast verzweifeln möchten und gar fragen „Warum werde ich so von Gott bestraft?“  Oder wenn ich konfrontiert werde mit der Realität des Todes.

Eine Angst ist, geliebte Menschen, zum Beispiel die Kinder oder den Partner, allein zu lassen. Dann gibt es die Angst, das eigene Leben nicht richtig gelebt oder etwas versäumt zu haben. Einige Menschen haben Angst vor dem Kontrollverlust, der mit dem Tod einhergeht. Das eigene Leben wird ihnen aus der Hand genommen. Und dann gibt es natürlich die Angst verbunden mit der Frage, was nach dem Tod kommt. Manche Menschen haben Angst vor der Ungewissheit, andere vor Bildern von Hölle und Gericht. Wie können wir mit diesen Ängsten umgehen? Die Angst will uns einladen, den Augenblick bewusst zu leben und uns die Frage zu stellen: Welche Lebensspur möchte ich in dieser Welt hinterlassen – vielleicht gerade heute? Das ist ein wichtiger Aspekt: Die Angst als Einladung zum Leben. Die Angst vor dem, was kommt, ist eine Chance darüber nachzudenken und zu reflektieren, welches Gottesbild wir haben. Wir können uns damit auseinandersetzen, welche Prägungen wir in unserer Kindheit erlebt haben und was wir heute glauben.

Dietrich Bonhoeffer, ein grosser Theologe des 20. Jahrhunderts hat folgendes zur Taufe gesagt: 

„Du wirst heute zum Christen getauft. Alle die alten grossenWorte der christlichen Verkündigung werden über Dir ausgesprochen und der Taufbefehl Jesu Christi wird an Dir vollzogen, ohne dass Du etwas davon begreifst. Aber auch wir selbst sind wieder ganz auf die Anfänge des Verstehens zurückgeworfen. Was Versöhnung und Erlösung, was Wiedergeburt und Heiliger Geist, was Feindesliebe, Kreuz und Auferstehung, was Leben in Christus und Nachfolge Christi heisst, das alles ist so schwer und so fern, dass wir es kaum mehr wagen, davon zu sprechen… Unser Christsein wird heute nur in Zweierlei bestehen: im Beten und im Tun des Gerechten unter den Menschen…“

Getauft sein bedeutet, von der Angst nicht überwältigt zu werden. Taufe ist keine Magie, welche mir lebenslangen Schutz gewährt. Taufe ist, daran zu glauben, dass wir von Gott angenommen sind: in unseren Schwächen, in unserer Verletzlichkeit, in dunklen Stunden und in hellen Tagen. 

Taufe ist Neuanfang – und das können wir immer wieder neu erkennen und feiern. 

An diesem Wochenende dreht sich in unserer Kirche fast alles um das Geschenk der Taufe: Am Samstagvormittag treffen sich Familien, welche im vergangenen Jahr eine Tauffeier erleben konnten. Am Sonntag erinnern sich die Erstkommunionkinder an ihre Taufe – als Grundstock für ein Leben mit Jesus. 

Armin Ruf, Gemeindeleiter

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