“Froh zu sein bedarf es wenig, und wer froh ist, ist ein König.”
Dieses Lied singen wir beim Guggegottesdienst im Rahmen der Wiifälder Fasnacht am Sonntag, 8. Februar um 10 Uhr in unserer Kirche.

Froh zu sein bedarf es wenig – aber ganz ehrlich: Kann ich heute in der aktuellen gesellschaftlichen und politischen Situation so einfach singen? Darf ich im Wissen um Krieg, Terror und Umweltzerstörung einfach nur fröhlich sein?
Im Internetportal jesus.de finden wir folgende Zeilen: Viele Christen sehen das Treiben mit kritischen Augen. Dabei sollte man allerdings historische Irrtümer vermeiden. Fasnacht geht nicht auf vorchristliche Sitten zurück und hat nichts mit heidnischen Göttern zu tun. … In Wirklichkeit sind selbst die ältesten Bräuche nur bis ins späte Mittelalter zurückzuverfolgen. Ihr Ursprung liegt vermutlich in den volkstümlichen Mysterienspielen, in denen neben Himmel und Heiligen auch die teuflische Gegenwelt ihren Auftritt hatte. So manches Häs (ein altes Wort für Gewand) geht auf ein mittelalterliches Teufelskostüm zurück. Eine zweite Quelle war die Narrengestalt mittelalterlicher Kunst, mit Eselsohren, Szepter und Schelle. Sie stand für menschliche Dummheit, Stolz und Lieblosigkeit. Denn nach der Bibel, 1. Korinther 13, ist, wer die Liebe nicht hat, wie eine tönende Schelle. Der Narr ist also eine Verkörperung von Schwäche und Vergänglichkeit. Die Welt ist sein Narrenschiff, das er in den Untergang steuert.
Die Fasnacht, die uns die menschliche Narretei vor Augen führt, hatte ihren Platz im Kirchenjahr zwischen Dreikönig (6. Januar) und der Fastenzeit ab Aschermittwoch. Für das Volk bot der Mummenschanz die Gelegenheit, einmal im Jahr über die Stränge zu schlagen und der Obrigkeit mit Masken und Schabernack einen Spiegel vorzuhalten. Volkskundler sprechen deshalb von einer „Ventilsitte“.
Eine andere Quelle finden wir bei Papst Franziskus: „Der Karneval ist vorbei“ soll Papst Franziskus gesagt haben, am Abend seiner Wahl. Er wollte die prunkvollen Machtinsignien eines Papstes – roter Samtumhang, brokatbesetzte Stola, goldenes Kreuz – nicht anlegen und trat stattdessen in schlichtem Weiss auf den Balkon, um die wartenden Massen zu segnen und ihren Segen zu erbitten. Ein Spielverderber ist er aber ganz und gar nicht! Die Freude ist für ihn einer der wesentlichen Bestandteile des Glaubens. So verkündete er kurze Zeit später: „Eine Kirche ohne Freude kann man sich nicht vorstellen. Die Freude der Kirche besteht darin, allen den Namen Jesu zu verkünden.“ Und sein erstes grosses Apostolisches Schreiben als Papst heisst sicher nicht umsonst: Freude des Evangeliums.
Wenn wir hier in Weinfelden Fasnacht feiern, dann sind wir nicht weltabgewandt oder gar realitätsverleugnend. Nein, mit Fantasie und guter Laune wollen wir miteinander unseren Glauben und unsere Freude am Evangelium feiern. Es soll ein fröhlicher, lauter und bunter Gottesdienst werden. Und in den Texten und in der Predigt sparen wir nicht an humorvollen Anekdoten, die unsere Welt im Kleinen wie im Grossen durch die Fasnachtsbrille betrachten. Gerne können Sie an diesem Tag auch verkleidet und maskiert in die Kirche kommen. Die Guggemusik «Aachtalschränzer» sorgt für den richtigenFasnachtssound! Wir freuen uns auf Sie.
Armin Ruf, Gemeindeleiter
















