Am 2. Februar feiert die katholische Kirche «Mariä Lichtmess» – Darstellung des Herrn
Neben seiner Brückenfunktion als Fest zwischen dem Weihnachts- und Osterfestkreis steht es ausserdem an der Schnittstelle zwischen Altem und Neuem Testament und lädt so dazu ein, die jüdischen Wurzeln der Liturgie neu zu entdecken. Das Jesuskind wird nach jüdischem Brauch von Maria und Josef in den Tempel gebracht, damit es Segen und Gottes Beistand erfährt.

Im Entdecken dieser Wurzeln begegnen uns im Gottesdienst erstaunlicherweise zwei alte Menschen – Simeon und Hanna. Beide kennen das Leben – und es war nicht immer leicht für sie. Beide kennen das Gefühl ‘Nichts bewegt sich mehr’ oder ‘ich brauche meine ganze Energie, um mich den Mitmenschen als tüchtig zu erweisen’. Überforderung oder Resignation sind die Pole, in denen sich unser Alltag oft als anstrengend erweist.
Wie schön ist es, die Hoffnungsworte dieser beiden lebenserfahrenen Personen zu hören. Hanna, eine Witwe, welche nach einem ereignisreichen Leben im Tempel ihren Dienst tut. In der Bibel wird sie Prophetin genannt – eine Frau, die in die Zukunft blickt. Und Simeon, der als ‘gerechter’ Mann beschrieben wird. Er glaubt daran, dass noch zu seinen Lebzeiten ein Licht für eine Welt zu sehen ist, welche von Frieden und Anstand spricht. Wie aufbauend, dass beide gegen allen Anschein die Hoffnung nicht verlieren und an eine Zukunft glauben. Und diese Zukunft finden sie in dem kleinen Kind, welches ihnen im Tempel in den Arm gelegt wird.
Simeon und Hanna haben nie aufgehört, ein träumendes, hoffendes und erwartendes Kind zu sein – in ihrem Herzen.
In dem lebendigen Kind, dem Jesuskind, können sie am Ende ihres Lebens das Hoffnungslicht sehen – und es lässt sie jubeln. Sie bekennen: Gott schickt uns niemals weg, ohne die Bilder einer erfüllten Hoffnung. Wir dürfen leben in Frieden, hier in dieser angefochtenen, bedrohten Welt.
In den Gottesdiensten am Samstag und Sonntag hören wir diese anrührende Erzählung aus dem Evangelium. Wir segnen die Kerzen, welche das ganze Jahr über in den Gottesdiensten entzündet oder auch zu Hause entzündet werden.
In diesen Gottesdiensten empfangen wir auch den Blasiussegen – ein starkes Zeichen. Zwischen zwei brennenden Kerzen wird unser Gesicht hell – und wir erfahren Trost und heilende Worte.
Armin Ruf, Gemeindeleiter in St. Johannes, Weinfelden
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